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Arbeitsrecht
Das Arbeitszeugnis - wahrheitsgemäß aber wohlwollend

Unabhängig davon, von wem eine Arbeitsverhältnis beendet wird, dem Arbeitnehmer steht mit Beendigung eines Arbeitsverhältnisses eine Arbeitszeugnis zu. Unrichtig erstellte Arbeitszeugnisse können Arbeitnehmer um die Chancen einer Bewerbung bei anderen Firmen bringen. Für Arbeitgeber ist die Erstellung eines Arbeitszeugnisses oft eine lästige Pflichtübung.

Der Spagat zwischen „wahrheitsgemäß“ aber "wohlwollend", wie die Gerichte die Zeugnisse abverlangen, ist dabei nicht so einfach. Ob aus Unkenntnis oder gewollt, mitunter enthält ein Arbeitszeugnis dennoch Formulierungen – oft zwischen den Zeilen - die den ehemaligen Arbeitnehmer in ein ungünstiges Licht rücken. Nicht jeder beherrscht die sogenannte „Zeugnissprache“ und es lässt sich auch trefflich darüber streiten, ob diese wirklich angebracht ist. Indes hat sie sich im hiesigen Wirtschaftsraum etabliert, sodass jeder Betroffene sein Zeugnis zunächst selbst und ggf. auch durch einen Rechtsanwalt auf Mindestanforderungen an ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und wertende Formulierungen überprüfen bzw. überprüfen lassen sollte.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis sollte sich in deutlich voneinander getrennte Abschnitte aufgliedern und neben der Einführung mit Namen, Geburtsdatum, Zeitraum der Tätigkeit und Art der Tätigkeit, vor allem die berufliche Entwicklung im Unternehmen, die Stellenbeschreibung der zuletzt ausgeführten Tätigkeit, eine Leistungsbeurteilung mit Angaben zu Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Wissen und Weiterbildung, die Arbeitsweise, Arbeitserfolge sowie die für die Note entscheidende Leistungszusammen-fassung, Angaben zum persönlichen Sozialverhalten und eine Schlussformulierung mit einer Dankens- oder Bedauernsformel und Zukunftswünschen enthalten. Die Angabe von Beendigungsgründen ist nicht vorgeschrieben und manchmal auch nicht wünschenswert.

Die Korrektur eines Arbeitszeugnisses kann auch gerichtlich erwirkt werden. Dabei sind ggf. geltende Ausschlussklauseln in Arbeitsverträgen oder Tarifverträgen zu beachten. Gibt es derartige Regelungen im konkreten Fall nicht, kann - wenn sich der Arbeitnehmer zu lange Zeit lässt - unabhängig von der dann dreijährigen Verjährungsfrist Verwirkung des Anspruches auf ein Zeugnis oder dessen Korrektur eingewandt werden. Nach Verstreichen eines halben Jahres oder mehr muss schon mit der gerichtlichen Abweisung eines solchen Anspruches durch die Arbeitsgerichte gerechnet werden. Entscheidend ist jedoch die Lage des Einzelfalles.

Doch nicht jeder Abänderungswunsch hat vor Gericht Erfolg. Möchte man eine bessere Bewertung als der Arbeitgeber bereit ist zu erteilen und die Arbeitsgerichte als wohlwollend ansehen (BAG: befriedigend, LAG Berlin/Brandenburg: gut) muss man selbst beweisen, dass eine bessere Bewertung gerechtfertigt ist. Möchte hingegen der Arbeitgeber vom Üblichen abweichen, muss er im Klagefall vor dem Gericht beweisen, dass sein ehemaliger Arbeitnehmer schlechtere Leistungen erbracht hat.

Wenn ein Arbeitgeber jedoch gar kein oder ein unangemessenes Zeugnis ausstellt und das für den Arbeitnehmer zu einer Absage im Rahmen der Bewerbung für ein neues Arbeitsverhältnis führt, kann es für den früheren Arbeitgeber teuer werden. Das Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven (Aktenzeichen 1 Ca 1309/10) hat z.B. entschieden, dass der frühere Arbeitgeber Schadenersatz leisten muss, wenn einen Bewerbung um einen neuen Job wegen des fehlende oder unrichtigen Arbeitszeugnisses abgelehnt wird.

Im konkreten Fall hatte ein Arbeitgeber dem ehemaligen Arbeitnehmer ein schlechtes Zeugnis erstellt und es auch nicht korrigiert, nachdem er gerichtlich dazu verurteilt worden war. Bei einer Bewerbung als Assistent der Geschäftsführung einer anderen Firma scheiterte der Betroffene. Als Grund für die Ablehnung wurde ihm das Zeugnis des vorherigen Arbeitgebers genannt. Dies bestätigte der potentielle neue Arbeitgeber auch vor Gericht.

So konnte der Betroffene nachweisen, dass ihm durch das zu schlechte Zeugnis ein konkreter Schaden entstanden war. Das Arbeitsgericht sprach dem Arbeitnehmer im entschiedenen Fall einen Schadensersatz von rund 3500 Euro zu und legte dafür das Gehalt zugrunde, welches er in sechs Wochen der neuen Beschäftigung erhalten hätte.

Vor diesem Gesamthintergrund haben sowohl Arbeitgeber eine besondere Verantwortung bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen als auch Arbeitnehmer ein besonderes Interesse an der Überprüfung ihrer Arbeitszeugnisse.

Für Fragen rund um das Arbeitsrecht steht Ihnen Rechtsanwältin Heike Hanke gern zur Verfügung.

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Frau Rechtsanwältin Heike Hanke ist schwerpunktmäßig in den Bereichen Arbeitsrecht (Kündigung, Abmahnung, Lohn, Urlaub), Familienrecht (Ehe, Trennung, Scheidung, Unterhalt, Umgangsrecht, Sorgerecht, Zugewinn), Verkehrsrecht (Unfallregulierung, Schmerzensgeld, Ordnungswidrigkeiten u.ä.) sowie Bau- und Werkvertragsrecht tätig.

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